Die Entscheidung in eine vernünftige Studiobeleuchtung zu investieren, stellt für die meisten Fotografen eine beachtliche Investition dar. Daher sollte man sich rechtzeitig Gedanken machen, ob man eher Dauerlicht oder Blitzlicht verwenden möchte. Schauen wir uns einmal die beiden grundverschiedenen Lichtquellen im Detail an:

Dauerlicht

Dauerlicht ist genau das, wonach es sich anhört. Das Licht bleibt dauerhaft an und verändert sich generell nicht in der Helligkeit, solange man nicht die Leistung oder die Entfernung zum Motiv ändert. Gerade für Anfänger stellt das Dauerlicht die vielleicht bequemste Option dar. Man kann genau wie mit Sonnenlicht sofort die Lichtsituation einschätzen und mit sofortigen Resultaten die Lichtstimmung anpassen. Dies macht das Erlernen der professionellen Lichtsetzung sehr anschaulich. Wenn man schon vorher viel On-Location fotografiert hat und dazu nur das Sonnenlicht verwendet hat, bei dem wird sich nicht viel in der Arbeitsweise ändern und der Einstieg in die Welt der Studiofotografie erscheint weniger schwierig.
Die Nachteile liegen jedoch klar auf der Hand. Solange man nicht LEDs verwendet, sondern auf Quarz bzw. Halogen Lichter setzt wird die Hitze Entwicklung im Studio relativ hoch sein. Als Beispiel für gut geeignete LED-Leuchten sind das Jinbei EF-100/200 sowie die Phorex LED Panels zu nennen. Der große Vorteil der EF-Leuchten ist das Bowens S-Typ Bajonett. Hierdurch lassen sich vielfältige Lichtformer wie zum Beispiel Softboxen, Reflektoren und Snoots anbringen. Bei den LED Panels ist zu beachten, dass diese völlig geräuschlos sind und ohne Lüfter auskommen. Somit eignen sich diese auch für die Videografie. Hierbei sind vor allem die Bi-Color Leuchten beachtenswert, da man sehr gut die Farbtemperatur per Touch-Panel an vorhandenes Licht anpassen kann.

Blitzlicht

Blitzlicht hingegen ist die Wahl der meisten Profifotografen. Das liegt vor allem daran, dass Studioblitze deutlich mehr Leistung bieten, dafür aber nur für den Bruchteil einer Sekunde leuchten. Dadurch fällt die Einschätzung der Lichtqualität deutlich schwerer. Auch ist zu beachten, dass viele Einsteiger oft einen viel zu starken Studioblitz kaufen. Wenn man in kleinen Heimstudios mit Offenblende fotografieren möchte, dann sind 300 bzw. 400Ws oftmals mehr als genug. Entscheidend ist neben der maximalen Wattsekundenzahl auch der Regelbereich. Hier wäre 1/16 der maximalen Leistung das Minimum. Viel besser lässt sich allerdings mit 1/32 oder sogar 1/64 arbeiten.

Der direkte Vergleich

Im Folgenden wollen wir einmal das Jinbei EF-100, EF-200, Travellight-200 Blitzlicht und Grandlight 650W Einstelllicht vergleichen. Im direkten Test per Belichtungsmesser ergibt sich, dass das Grandlight Einstelllicht ca. eine Blende schwächer ist als das EF-100. Das EF-200 ist hingegen wieder um eine Blende stärker als das EF-100. Damit ergibt sich, dass die beiden EF-Leuchten tatsächlich mit einem 1000W respektive 2000W Halogenlicht vergleichbar wären. Das Phorex Travellight hingegen ist ungefähr 2 ½ Blenden heller als das EF-200. Dies zeigt deutlich, dass Wattzahl sehr irreführend sein könnte, wenn man Blitzlichter und Dauerlichter vergleicht. Viel entscheidender ist hingegen die Abbrennzeit bei Blitzgeräten bzw. die maximal erreichbare Verschlusszeit mit Dauerlicht. Theoretisch könnte man natürlich abhängig von der Kamera mit jedem Einstelllicht die Verschlusszeit auf 1/8000s runterregeln. Dabei würde das Bild jedoch in der Regel relativ düster werden, wenn man nicht gerade drei oder vier EF-Leuchten verwendet. Bei den Blitzlichtern ist die maximal erreichbare Verschlusszeit normalerweise 1/250s (HSS bzw. SuperSync außen vorgelassen), somit ist die entscheidende Angabe die Abbrennzeit der Blitzröhre. Dieser Wert liegt generell zwischen 1/500s bis 1/12000s (mit Spezialgeräten und Aufsteckblitzen lassen sich natürlich nochmals deutlich schnellere Werte erzielen). Je kürzer dieser Wert, desto schärfer werden Bewegungen eingefangen. Um zum Beispiel Wassertropfen scharf abzubilden, sollten es schon 1/10000s sein. In der Bilderstrecke sieht man sehr gut, wie sich das Dauerlicht schlägt. Man merkt, dass man schnell mit der ISO-Zahl hochgehen muss, oder zumindest ein zweites Licht benötigen würde. Bei dem Travellight sieht man, dass die Abbrennzeiten schneller werden, je niedriger Leistung eingestellt wird. Für Sportaufnahmen sollte es so gesehen schon die 400Ws-Variante des Travellights sein.

ef-200_test

EF-200 Maximale Leistung
1/800s
ISO1600

 

TL Max Power 1/60s F11.0 ISO1600

TL-200 Minimale Leistung (1.0)
ISO1600

 

TL-200 Min Power 1/250s ISO1600

TL-200 Maximale Leistung (7.0)
ISO1600

 Fazit

Wie man schnell feststellt benötigt man für die Arbeit mit Dauerlicht meistens mehr als eine Lichtquelle, um genügend Helligkeit zu erzeugen. Falls man keine Angst vor hohen ISO Zahlen im Fotostudio hat, kann man es natürlich zunächst nur mit einem Licht probieren. Ein Blitzgerät ist schwieriger zu kontrollieren, bietet aber wie man auf den Fotos sieht, selbst bei minimaler Leistung dieselbe Power wie das  EF-200 Dauerlicht. Bei der maximalen Einstellung macht sich zwar die langsame Abbrennzeit bemerkbar, doch ist dies nur bei schnellen Bewegungen wirklich entscheidend. Es wird einem schnell deutlich, dass beide Systeme Vor- und Nachteile besitzen. Doch empfiehlt es sich, falls man kein kompletter Neueinsteiger ist, den Blitzgeräten den Vorzug zu geben.  Zum experimentieren und lernen macht man natürlich mit den LED-Leuchten auch nichts wirklich falsch. Vor allem Fotografen, die auch gleichzeitig das Shooting per Video begleiten wollen, sollten mal ein näheren Blick auf das Dauerlicht-Sortiment werfen.