Testbericht zum Yongnuo 35mm

Ich bin Lisa, 24 Jahre alt und arbeite nebenberuflich als Fotografin und Trainerin.
Ich fotografiere vorwiegend draußen in der Natur und arbeite dabei ausschließlich mit lichtstarken Festbrennweiten – meist offenblendig. Mein Schwerpunkt liegt in der Portraitfotografie, ebenfalls bin ich im Bereich Familien- und Kinderfotografie unterwegs.

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Ich hatte zwei Anliegen, das Yongnuo 35mm einmal testen zu wollen…

Seit nun fast zwei Jahren, fotografiere ich ausschließlich mit Festbrennweiten.
Zu der Zeit, als ich noch viele Hochzeiten fotografiert habe, war ein 35mm mein ständiger Begleiter. Mittlerweile liegt mein Schwerpunkt in der Portraitfotografie und das 35mm wurde kaum noch benutzt. Irgendwann habe ich es verkauft, jedoch immer ein wenig vermisst.

Ein 35mm kostet jedoch schnell mehrere 100 Euro. Deshalb stand ich in einem ständigen Zwiespalt zwischen „haben wollen“ und „zu teuer um herumzuliegen“.
Der Wunsch das 35mm von Yongnuo endlich testen zu wollen, ergab sich jedoch eher aus meinen Workshops und Coachings. Ich selbst fotografiere mittlerweile fast ausschließlich mit 50mm an einer Vollformatkamera. Meine Workshop Teilnehmer besitzen jedoch zum Großteil das 50mm an einer Cropkamera, was ja einen ganz anderen Look hat.

Somit wollte ich meinen Teilnehmern gerne ein 35mm empfehlen, dass dann umgerechnet ungefähr dem Look meines 50mm Objektivs entspricht. Da viele noch am Anfang stehen, wäre ein günstiges 35mm, das auch noch gut ist, ja absolut perfekt!

Deshalb habe ich sehr gefreut, dass ich die Möglichkeit bekommen habe, das Objektiv zu testen!

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Haptik & Aussehen

Das 35mm ist recht klein und leicht. Es hat ein Plastikgehäuse, wirkt jedoch besser verarbeitet als das 50mm 1.8 von Yongnuo. Von der Größe her ist es vergleichbar mit dem 50mm 1.8 von Canon.

Rein optisch ähnelt es ebenfalls sehr den Canon Objektiven. Die Größe und Verarbeitung empfinde ich für den Preis als absolut in Ordnung.

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Der erste Eindruck

Ich war ziemlich neugierig, welche Qualität so ein günstiges Objektiv wohl bringen kann.  Meine Erwartungen waren also zunächst nicht allzu hoch.  Das leichte Gewicht empfand ich direkt als sehr angenehm. Auch die Fokussierung klappte bei Portraits problemlos und war nicht auffällig langsam.  Einzig gewöhnungsbedürftig ist zunächst das laute Fokussiergeräusch, jedoch gewöhnt man sich da sehr schnell dran.

Wirklich schön finde ich ebenfalls, wie lichtstark das Objektiv ist. Die Blende von 2.0 ermöglicht es einem, auch bei schlechteren Lichtverhältnissen zu fotografieren und zaubert ein wunderschönes Bokeh und eine tolle Freistellung. Gerade das mag ich in Kombination mit den 35mm sehr gerne.

…Im Einsatz

Wenn ich ein Objektiv teste, gehe ich da sehr praktisch heran. Ich arbeite nicht mit exakten Skalen oder mache Tests im Vorfeld. Wenn mir ein Objektiv gefallen soll, muss es mich einfach in der Praxis, in meiner Arbeit überzeugen. Deshalb habe ich das Objektiv direkt während eines Portraitshootings genutzt.

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Ich war wirklich überrascht, wie gut die Abbildleistung ist. In der gesamten Serie, habe ich mit verschiedenen Festbrennweiten von Canon und Yongnuo fotografiert, und das 35mm kann hier wirklich mithalten. Selbst bei Offenblende erzeugt man tolle Ergebnisse, darf jedoch nicht viel wackeln. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte hier ein wenig abblenden, um scharfe Ergebnisse zu erzielen.  Sofern die Schärfe sitzt, überzeugt sie mich total!

In der gesamten Serie hatte ich mit dem Yongnuo etwas mehr Ausschuss, als mit meinen anderen Objektiven, aber nicht auffällig viel. Teilweise ist der Fokus etwas verrutscht und lag nicht ganz exakt auf den Augen. Bei manchen Bildern wirkten die Augen etwas schwammiger und waren nicht so schön scharf, wie bei anderen Bildern. Bei den Bildern wo die Schärfe exakt saß, habe ich aber wirklich zufriedenstellende Ergebnisse bekommen!

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Ich habe die Bilder bei Blende 2-2.8 aufgenommen und war selbst in der Gegenlichtsituation positiv überrascht.

Für den zweiten Test, habe ich das Objektiv nochmal etwas mehr gefordert. Ich wollte gerne sehen, wie es sich verhält, wenn sich das Modell vor der Kamera mehr bewegt.

Ich würde das Objektiv auch gerne bei Kinder- und Familienbildern einsetzen, bei denen es auf jeden Fall auch nicht ganz langsam sein darf. So habe ich mir für den zweiten Test unser Katzenbaby ausgesucht.  Bei diesem kleinen flinken Kater kam der AF schon so an seine Grenzen. An diesem Punkt merkt man wirklich, dass das Objektiv eher für Portraits oder Landschaften ausgerichtet ist, und nicht für schnelle Sportaufnahmen. Hier würde ich es erfahrungsgemäß mit dem AF des 50mm 1.8 von Canon vergleichen. Trotz der Schnelligkeit des Katers und seiner Unruhe, habe ich einige wirklich schöne Portraits mit toller Qualität hinbekommen. Dass das Objektiv sogar in der Situation abliefern kann, hat mich wirklich überzeugt.

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Die schönsten Ergebnisse habe ich hier mit einer Blende von 2.8-4 erzeugt. Hier habe ich etwas abgeblendet um auf Nummer sicher zu gehen.

Fazit

Im Langzeittest werde ich das Objektiv immer wieder mitnehmen und in verschiedensten Situationen ausprobieren. Im Portraitbereich wird es auf jeden Fall zum Einsatz kommen, in Situationen wo viel Bewegung drin ist, werde ich es noch weiterhin testen.  Sofern man etwas Ausschuss gut verkraften kann und eher in ruhigeren Situationen fotografiert, finde ich es absolut empfehlenswert für den kleinen Geldbeutel! Man muss sich auch immer nochmal bewusst machen, dass dieses Objektiv gerade mal 150 Euro kostet!!! Dafür kann es echt abliefern!

Wer also den Look des 35mm sehr gerne mag, das ganze mal ausprobieren will oder so wie ich, diese Brennweite nur eher selten nutzt, sollte das Objektiv mal ausprobieren!

 

Weitere Arbeiten von Lisa findet Ihr hier: www.lisaschürmann.de