Hoch oder Quer?

Eine Frage die sich nicht wenige Fotografen bei der ein oder anderen Aufnahmesituation stellen. Andere wiederum handeln hier ganz intuitiv und das dann meist auch noch richtig. Wie in vielen Bereichen der Fotografie gibt es hier kein Richtig oder Falsch, eher ein „das gefällt mir“ und „das gefällt mir nicht“. Die objektiven Überlegungen in Bezug auf diese Frage, gehen also wie gehabt schnell ins Subjektive über. Und das ist gut so; haben wir doch so genug kreativen Spielraum, um auch mal etwas anders zu machen, als andere.

Erste Überlegungen

Ohne automatisch ins Hoch- oder Querformat zu verfallen, gibt es doch einige Überlegungen, auf die wir vor dem finalen Auslösen eingehen können. Das hat oft mehr Vor- als Nachteile, wobei der einzige Nachteil ein möglicher Zeitverlust sein könnte. Aber was ist schon Zeit? Der Pressefotograf wird hier kaum einen Gedanken verschwenden.

Bevor wir uns überlegen, was wir mit dem Foto ausdrücken wollen, steht natürlich der fotografische Bereich an erster Stelle. Portrait, Beauty, Landschaft, Architektur, Street, TableTop, Studio, Outdoor, Sport, Action etc. stellen allesamt andere Anforderungen an die Bildgestaltung. Landschaftsaufnahmen sind oftmals prädestiniert für das Querformat, gerade auch wenn es der Landschaft an einem Solitärmotiv fehlt. Bei Portraitaufnahmen hingegen – gerade im Ganzkörperbereich – bieten sich meist hochformatige Aufnahmen an.

Natürliches Sehverhalten?

Darüber wird bei der Frage nach Quer- und Hochformat immer geschrieben und es ist ja auch was dran. Ein TV-Gerät im Hochformat wäre denkbar lustig, aber wohl eher ein Grund noch weniger rein zu schauen. Brillen im Hochformat, Frontscheiben in Autos im Hochformat oder auch Computertastaturen die höher als breit sind wird man lange suchen müssen. Wir Fotografen können daraus zumindest den Schluss ziehen, dass mit einer Aufnahme im Querformat weniger oft etwas falsch gemacht werden kann.

Im Umkehrschluss bedeutet das aber nicht, dass es grundsätzlich außerordentlichen Mut bedarf das Hochformat zu wählen, aber dessen Einsatz kann häufig zu einer genaueren Überlegung führen, wenn dem Betrachter ein natürlicher Bildeindruck gewährt werden soll.

Die pauschale Aussage über die natürliche Sehgewohnheit und dem Querformat, ist glücklicherweise auch einfach auf das Hochformat anwendbar: Alle Motive, die eher hoch als breit sind eignen sich für dieses Format.

Bildwirkung

Der weitaus entscheidendste Punkt ist aber die Wirkung, die wir dem Betrachter aufzeigen wollen. Begriffe wie beruhigend, normal, offen, Weite, passiv, Stille, Stabilität uvm., kann man leicht mit dem Querformat verbinden. Beim Hochformat sind es meist die Gegenteile, wie actionreich, nervös, instabil, geheimnisvoll, schmal oder auch einengend.

Hier kann man also durch die Wahl des Formates die eigentliche Bildwirkung unterstützen. Dem Betrachter wird ein Foto so schnell zugänglich, er findet eher Gefallen daran. Waagerechte Linienführungen verlangen so nach Quer-. vertikale nach dem Hochformat.

Harmonie geht auch anders

Die Bildwirkung, wie auch die Bildgestaltung folgen in der Fotografie einfachen, aber zugleich komplexen psychologischen Grundlagen. Durch den gezielten Einsatz dieser Grundlagen in Kombination mit dem passenden Bildformat schaffen wir hier meist automatisch eine gewisse Harmonie. Wir wollen natürlich, dass das fertige Bild dem Betrachter gefällt.

Mit dem entsprechenden Vorwissen können wir nun aber diese ganzen definierten Regeln auf unsere fotografischen Bedürfnisse umbauen, spannendere, gegensätzliche und individuelle Bildaussagen schaffen.

So finden sich beispielsweise Diagonalen in Querformatbilder wieder, die zu einer hohen dynamischen Bildsprache führen. Mittig gesetzte, schlichte Motive machen das Hochformat schnell zu einem Ruhepol. Aber auch im Hochformat aufgenommene Panoramen haben ihren Reiz und widersprechen schnell dem fotografischen Lehrbuch und machen so unsere Aufnahmen immer wieder zu etwas Besonderem.

Abschließend sei gesagt: Je mehr man sich mit dem Thema bewusst befasst, desto schneller wird man in die Intuition wechseln!