Das Thema ‚Mobiles Blitzen‘ ist aktueller denn je. Gerade die kürzlich zu Ende gegangene Photokina 2014 zeigte uns das nicht nur deutlich, sondern mit sehr viel Nachdruck. Der professionelle Fotograf kann sich heute kaum noch auf die reine Arbeit im Studio stützen. Er muss hochflexibel sein und sein mobiles Studio an jedem beliebigen Ort schnell zum Einsatz bringen können. Selbst die Semis, aber auch Amateure setzen mehr und mehr auf All-In-One-Lösungen. Hier wird dann sehr häufig ein mobiler Studioblitz mit ordentlich Leistung als Hauplicht eingesetzt und die kleinen Speedlites kommen „nur“ noch als Effektlichter ins fotografische Geschehen. Die Gründe liegen auf der Hand: Derartige Blitzgeräte werden immer günstiger, leistungsstärker, kompakter und nun auch kabellos!

Unter dem Motto „bewährtes verbessern“ tritt der neue Jinbei HD-II 600 die Nachfolge zur ersten Gerätegeneration an.

Schon mit dem ‚alten‘ HD hat Jinbei einen hochportablen Blitz auf den Markt gebracht, der nicht nur durch seine technischen Spezifikationen, sondern vor allem durch sein durchdachtes Konzept und einfache Bedienbarkeit glänzte.

So wundert es nicht, dass die reinen Leistungsdaten nahezu unangetastet bleiben. Der im Blitzkopf integrierte, auswechselbare Lithium-Polymer-Akku leistet bei voller Leistung – also 600 Ws –  bis zu 500 Blitzauslösungen, was unseres Wissens zum jetzigen Zeitpunkt alle bekannten und weniger bekannten Mitbewerber in den Schatten stellt. Auch der große Regelbereich auf 1/128 (<5 Ws) der Leistung ist ein großer Vorteil des HD-II. Auf der einen Seite werden hier die sehr schnellen Abbrennzeiten von 1/10.000 sec. erzielt, auf der anderen hat man auch mit sehr lichtstarken Objektiven noch viel Spielraum in der Gestaltung, ohne dass ein Zuviel an Licht im Raum steht.

Was dem Profi oder dem ambitionierten Fotografen klar ist, sei an dieser Stelle noch einmal kurz angerissen: Warum ist es so wichtig einen Blitzkopf zu haben, der auf der einen Seite so schnelle Abbrennzeiten hat, auf der anderen Seite aber SuperSync-fähig ist, also Verschlusszeiten von bis zu 1/8.000 realisieren kann?

Einfach erklärt, geht es hier vor allem – neben anderen Kleinigkeiten – um das Umgebungslicht. Will ich als Fotograf eine Aufnahme von einem schnellen Motiv machen – z.B. ein BMX-Fahrer beim Sprung in der Halfpipe – soll er wenn möglich knackscharf und wie eingefroren wirken, der Himmel soll aber auch noch Zeichnung haben. Geht man hier über die sehr schnelle Abbrennzeit des Blitzes, ist man in der Synchronzeit bei 1/200 Sekunde eingeschränkt, der Himmel ist in der Regel oft überbelichtet. Hier kommt jetzt HSS/SuperSync ins Spiel: Wir belichten ‚korrekt‘ auf den Himmel und haben beispielsweise Werte von t1/4.000, f8 bei ISO200 und tasten uns dann mit 2-3 Probeaufnahmen an die richtige Blitzleistung ran, um das Haupmotiv den BMXler vernünftig auszuleuchten. Dafür muss zum einen das Zündsignal zum richtigen Zeitpunkt abgegeben werden und zum anderen der Blitz langsam genug abbrennen. Beides kann der HD-II 600 im Bereich von voller bis 1/16 Leistung umsetzen.

Umgekehrt gibt es viele Beispiele, wo viel Umgebungslicht eingefangen werden muss, das Hauptmotiv aber trotzdem richtig ausgeleuchtet seien muss. Hier kommt dann der große Regelbereich bis zu 1/128 zum Tragen, der auch hier wieder zur richtigen Blitzbelichtung, aber auch zur eingefrorenen Schärfe führt.

SuperSync bei t1/8.000, f11 und ISO 100

SuperSync bei 1/8.000s, f11 und ISO 100

Bedienbarkeit

Für die meisten Fotografen ein nicht zu unterschätzender Punkt – vielleicht sogar einer der wichtigsten – ist mit Sicherheit die einfache Handhabung und Bedienbarkeit von Studio– und Outdoorblitzgeräten.

Hier kann der HD-II 600 auf voller Linie überzeugen. Die Bedientasten sind eindeutig beschriftet und übersichtlich rechts und links neben dem gut ablesbaren Display angeordnet; haben einen sauberen Druckpunkt, was die Wertigkeit des Gerätes durchaus unterstreicht. Zum Einschalten des internen Funkempfängers, des Einstelllichtes, der Displaybeleuchtung, der SuperSync-Funktion und des Bereitschaftssignals betätigt man einfache Tastenkombinationen, welche direkt am Bedienfeld angezeigt werden. Eine langwierige Einarbeitungszeit fällt somit komplett weg. Genau so einfach funktioniert die Steuerung mit der im Lieferumfang enthaltenen TRS-Fernbedienung, die zum einen als Auslöser dient, mit der man zum anderen aber auch ganz simpel die Leistung regulieren kann. Auch das Einstelllicht ist über die TRS zuschaltbar. Dieses ist – wie schon beim Vorgängermodell – 5 W „stark“, reicht also im abgedunkelten Studio oder in der Morgen- und Abenddämmerung gerade aus. Für den Tageslichteinsatz ist es aber nicht konzipiert; hier zählt die Akkuschonung, um möglichst viele Auslösungen aus der Batterie herauszukitzeln.

Natürlich hat der HD-II auch einen Multi-Blitzmodus an Board, sprich er kann stroboskopartig blitzen, um beispielsweise sich bewegende Objekte oder Personen in einem definierten Abstand auf ein Foto zu bringen.

All Inclusive

Nun muss das Prinzip All Inclusive nicht immer perfekt sein, im Fall eines mobilen Blitzes kommen aber nur Vorteile zum Tragen. Der ein oder andere (Premium-)hersteller fährt hier nach wie vor ein oftmals schlecht zu durchschauendes Komponentensystem, bei dem man viele Einzelteile zusammenstellen muss, um überhaupt ein einsatzfähiges Gerät zu haben. Der HD-II spielt auch hier mit offenen Karten: Geliefert wir ein Set, welches aus dem Blitzgerät, einem Akku, Ladegerät, Blitzneiger, Haltegriff, 35°-Standardreflektor mit Diffusoraufsatz und natürlich der Jinbei TRS-Fernsteuerung besteht. Das alles befindet sich in einer praktischen kleinen und handlichen Transporttasche. Heißt im Klartext, dass man mit diesem Set sofort loslegen kann zu fotografieren.

SuperSync / HSS

Die erste Gerätegeneration des HD-600 war konstruktionsbedingt noch nicht in der Lage, Verschlusszeiten jenseits der 1/200 Sekunde zu realisieren. Beim HD-II hat Jinbei in diese Richtung auf vielfachen Kundenwunsch hin Hand angelegt: Und das natürlich erfolgreich. So ist es nun möglich im Bereich von voller Leistung bis zu 1/16, Kameraverschlusszeiten von bis zu 1/8000s zu realisieren.

Das funktioniert allerdings nicht mit der Jinbei TRS-Fernbedienung, da diese rein über den Mittenkontakt auslöst. Im Moment benötigt man für diesen Einsatzzweck Funkauslöser/-empfänger wie den Yongnuo YN-622 oder den KING Pro von Pixel.

In Zukunft wird es von Jinbei für den HD-II eine neue Fernbedienung geben, mit der man ohne „Fremdauslöser“ direkt über den integrierten Empfänger supersyncen kann. Ein Vorserienmodel konnten wir auf der Photokina 2014 schon erfolgreich testen. Dies wird allerdings Canon- und Nikon-Nutzern vorbehalten sein.

Vorserienmodel Jinbei TR-611

Preis-Leistung auf hohem Niveau

Mal ganz abgesehen von den wirklich vielseitigen Einsatzbereichen, auf die wir später noch eingehen wollen, leistet sich der HD-II 600 in seinen technischen Daten keine Schwächen. Er hält seine voreingestellte Leistung sehr konstant, auch über längere Shootingzeiten. Messungen zu den relativen Werten der Farbtemperatur bestätigen auch hier eine saubere Arbeitsweise des Blitzes.

Das Ladegerät des HD-II sorgt dafür, dass der leere Akku innerhalb von 3 Stunden vollständig geladen wird. Wichtig zu wissen, ist, dass der Blitz nicht direkt am Netz zu betreiben ist.

Einsatzgebiete

Nach wie vor wird der HD-II 600 zu sehr als reiner Outdoor-Blitz gesehen. Hier konkurriert er durchaus mit den hausinternen Serien Discovery und Freelander, setzt sich mit seinen Eigenschaften aber doch deutlich ab. Fotografen, die sehr auf das Gewicht des Equipments achten müssen, sind mit einem FL-II immer noch besser bedient. An einem DC sind gleichzeitig 2 Blitzköpfe zu betreiben, was preislich auch sehr günstig ist. Nutzt man seinen portablen Blitz häufig an einem leichten, mobilen Galgenstativ, wie dem Jinbei M-3 oder dem DBJ-1 spielen die leichten Blitzköpfe der Akkupack-Systeme ihre Vorteile aus. Kommt dann aber die Kabellosigkeit und die Einsatzschnelligkeit ins Spiel, so punktet der HD wieder, zumal auch er alles ander als ein Schwergewicht ist.

Abbrennzeit 1/10.000 bei t1/125, f11 und ISO 100

Abbrennzeit 1/10.000 bei t1/125, f11 und ISO 100

Outdoor und OnLocation findet der HD-II seine Beliebtheit vor allem bei Hochzeits-, Fashion- und Actionfotografen. Immer mehr Einfluss erlangt er aber auch in der Fotografie mit Kindern oder Haustieren, da gerade hier das kabellose Arbeiten einen großen Vorteil bringt. Man setzt den Blitz auf’s Stativ, bringt einen Lichtformer an und kann sofort loslegen. Schneller geht es einfach nicht!

Auch Mietstudios finden an diesem System immer mehr Gefallen und können Ihren Kunden dadurch ein sehr flexibles Arbeiten am Set ermöglichen.

Gerade bei Shootings OnLocation ist das Arbeiten mit diesem kabellosen System sehr angenehm, was sich aber auch – und da wird der HD noch unterschätzt – 1 zu 1 auf die Arbeit im Studio projizieren lässt. Auch – oder gerade im Studio – welches oftmals eher beengt als großräumig ist, können sich die HD’s mittlerweile als nahezu vollwertige Studioblitze behaupten. Zugegeben ist die Wiederaufladezeit nicht ganz so schnell, wie bei netzbetriebenen Geräten – mit 3,5 Sekunden bei voller Leistung aber auch nicht unermesslich lang. Davon abgesehen bietet der HD-II 600 auch an dieser Stelle nur Vorteile. Wie oft haben wir schon Studioblitze fallen sehen, weil Fotograf oder Modell über das Stromkabel gestolpert sind? Wie oft haben wir uns schon über den Kabelsalat beim Umherschieben der Stative geärgert? All das gehört mit dem HD-II der Vergangenheit an.

Technische Daten:

  • Leitzahl: 80 (600Ws)
  • Abbrennzeit (t0,5): max. 1/10.000 Sekunde
  • Blitzladezeit: 0,3 – 4,5 Sekunden (langsam) / 0,3 – 3,5 Sekunden (schnell)
  • Regelbereich: 1/1 bis 1/128 (im Super-Sync Modus 1/1 bis 1/16)
  • Einstelllicht: 5W LED
  • Bowens S-Typ Bajonett
  • Akku: Li-Polymer DC 14,8V mit 6600 mAh
  • Auslösungen: ca. 500 bei voller Leistung
  • Farbtemperatur: 5500°K +/- 200 Kelvin
  • Gewicht: 2,48 kg
  • Maße: 124x124x268mm

FAZIT

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass die Arbeit mit dem HD-II 600 wahnsinnig viel Spaß macht. Ob Highspeedshootings bei Funsportarten, bei Veranstaltungen, im ganzen Peoplebereich, der HD macht in jeder Lage eine verdammt gute Figur, ist rasend schnell einsatzbereit und verschafft dem Fotografen den kreativen Spielraum, den er braucht um wirklich perfekte Bilder zu machen.