Zugegeben, die Überschrift soll neugierig machen. Aber: Lassen sich mit Zubehörteilen für 11,90 € tatsächlich Makroaufnahmen anfertigen und das dann auch noch in einer ansprechenden Qualität? Dieser Frage wollen wir an dieser Stelle einmal nachgehen.
Mit Zwischenringen – darum geht es nämlich – für 11,90 € kann man erst einmal keinen Blumentopf gewinnen. Man braucht schon noch eine Kamera und zumindest ein halbwegs x-beliebiges Objektiv. Wie bringe ich dieses Objektiv aber jetzt dazu kleine Dinge ganz groß raus zubringen?
Ein Standardzoom wie das Canon EF 24-105L hat einen Abbildungsmaßstab von um die 1:4,3; weit entfernt um Objekte in Originalgröße abzubilden. Hier kommen die Zwischenringe ins Spiel. Diese setzt man lediglich zwischen Objektiv und Kamera. Damit wird die Bildweite verlängert – die Naheinstellungsgrenze reduziert – was zu größeren Abbildungsmaßstäben führt.

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1/125; f 9; ISO 250 an Canon EF 24-105L 4.0 bei 105mm (Canon 50D)

Oder doch ein Makroobjektiv?

Warum allerdings der ganze Hokuspokus mit diesen Ringen? Es geht doch um Makrofotografie und dafür gibt es eigens hergestellte Makroobjektive. Das ist richtig. Seitens der Kamerahersteller, aber auch von Drittanbieter werden diese tollen und meist wirklich guten Objektive angeboten. Über dessen Verarbeitung kann man meist nicht klagen und die Abbildungsqualität dieser Linsen ist auch über alle Zweifel erhaben. Dann kommt aber das Aber: Bis auf wenige Ausnahmen handelt es sich hier um Festbrennweiten, die relativ wenig flexibel sind. Manche „makrofähigen“ Tiere – zumeist Insekten – haben eine recht große Fluchtdistanz, wo gerne 150er- oder 180er-Makroobjektive zum Einsatz kommen. Andere Brennweiten, wie 60mm bieten dagegen wieder Vorteile bei der Bildwirkung von anderen Makroobjekten, wie Blüten oder Insekten, die nicht so schnell das Weite suchen. Zudem kann man mit kürzeren Brennweiten andere Aufnahmewinkel realisieren.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist aber wohl das liebe Geld. Für Fotografen, die sich oft mit Makrofotografie beschäftigen ist eine Investition von meist mehreren Hundert Euro in ein Makroobjektiv durchaus sinnvoll. Liegt bei einem selbst das Augenmerk aber nicht in diesem Bereich der Fotografie, dann lohnt sich der Blick hin zu den Zwischenringen.

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1/125; f 18; ISO 500 an Canon EF 50mm 1.8 (Canon 5D Mark II)

Ohne Nachteile keine Vorteile

Die Vorteile dieser kleinen Helfer liegen auf der Hand: Sehr günstig, leichte Handhabung, keine Veränderung an der Optik und wenn sie mal verloren gehen, ärgert man sich nicht gleich rund. Ohne Nachteile keine Vorteile: Der Pluspunkt von Makroobjektiven ist, dass sie für den Einsatz im Nahbereich gerechnet und konstruiert sind. 

Das sieht bei „normalen“ Objektiven natürlich anders aus. Nutzt man die Zwischenringe also an eher weitwinkligen Objektiven, kommt es zu Verzerrungen. Diese Verzerrungen sind aber nicht so massiv, dass man sie nicht herausrechnen könnte. Zum anderen fallen diese Bildfehler nur bei ‚geometrischen‘ Objekten wirklich auf.
Dazu kommt, dass diese einfachen Zwischenringe den Autofokus der Kamera nicht unterstützen, dass heißt es ist manuelles Fokussieren angesagt. Mit etwas Übung gelingt das aber recht gut und macht zudem noch Spaß, da man wesentlich bewusster arbeiten muss.

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t 1/160; f 2,8; ISO 50 an Porst Color-Reflex 2.0 50mm (Canon 5D Mark II)

 Der Kniff mit der Abblendtaste

Neben dem manuellen Fokussieren muss bei diesen einfachen Zwschenringen natürlich auch die Blende händisch eingestellt werden. Bei Objektiven mit Blendenring ist die Vorgehensweise natürlich noch ersichtlich. Das betrifft aber eher alte analoge Objektive, die sich übrigens sehr gut für die Zwischenring-Lösung eignen.
Bei den heutigen Objektiven kommen allerdings meist Springblenden zum Einsatz, die erst beim Auslösevorgang automatisch auf die vorgewählte Blende schließen, was an manuellen Zwischenringen selbstredend nicht funktionieren kann. Mit einem kleinen Trick umgehen wir das Problem: Dazu wählen wir bei angesetztem Objektiv (ohne Zwischenringe!) die gewünschte Blende, drücken die Abblendtaste, halte diese gedrückt und lösen jetzt das Objektiv vom Body. So bleibt uns ganz einfach die Arbeitsblende erhalten.

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Lichtverlust? Nein danke!

Ein weiteren ‚Nachteil‘ ist der Lichtverlust, den jeder zusätzliche Zwischenring mit sich bringt. Da man aufgrund der abnehmenden Schärfentiefe eh schon weit abblendet, kann das bei vorhandenem Licht an z.B. bewölkten Tagen zu Verschlusszeiten führen, die nicht mehr tragbar sind. Umgehen kann man diesen Nachteil, in dem man zusätzliches Licht in Form von einfachen Systemblitzen oder Dauerlicht ins Spiel bringt. Systemblitze nutzt man natürlich entfesselt – bestenfalls in einer Softbox – um den Lichtverlust auszugleichen. Gleichzeitig friert die meist kurze Abbrennzeit dieser Blitze die Bewegung des Motivs ein. Wenn auch etwas umständlicher, helfen auch kleine Faltreflektoren mehr Licht auf das Motiv zu werfen.

Kamera mit angesetzten Zwischenringen

Kamera mit angesetzten Zwischenringen

FAZIT: Makro-Zwischenringe sind eine einfache und günstige Alternative für Fotografen, die sich nicht alltäglich mit der Makrofotografie beschäftigen und die Anschaffung eines teurer Makroobjektivs umgehen möchten.
Die wenigen Nachteile kann man mit etwas Übung und kleinen Hilfsmitteln leicht ausgleichen. Für diejenigen, die auf den Komfort des Autofokus und der Übertragung der Automatikfunktionen nicht verzichten möchten gibt es natürlich auch sogenannte ‚Automatik-Zwischenringe‚.
Faszinierend ist der Einsatz dieser einfache Ringe allemal, denn die Ergebnisse sprechen für sich selbst.

© Alle Bilder unter Urheberrecht von Rainer Szesny

AUTOR: Rainer Szesny