Heutzutage werden nicht nur in der Produktfotografie zunehmend freigestellte Fotos zur Verwendung in unterschiedlichen Medien benötigt. Bisher war der Prozess äußerst kompliziert und mühselig. Die Freistellungsoptionen und Werkzeuge sind in Photoshop mittlerweile zwar sehr ausgereift, doch dauert es immer noch relativ lange, bis man ein Motiv perfekt freigestellt hat. Hinzu kommt es immer wieder zu Problemfällen, wenn man versucht Haare oder halbtransparente Objekte adäquat zu bearbeiten. Selbst mit dem Pfadwerkzeug oder dem Pinsel mitsamt Grafiktablett ist dies ein sehr schwieriges Unterfangen. Hier bieten auch die Chromakey Lösungen per Green- oder Bluescreen nur bedingt Abhilfe, da man immer mit Farbsäumen und störenden Reflexen zu kämpfen hat.

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Zumindest für uns Fotografen gibt es nun seit geraumer Zeit ein Verfahren, dass die Freistellung komplexer und sogar bewegter Motive deutlich leichter macht. Das Problem für viele war allerdings der hohe Preis. Dass es mittlerweile auch für Einsteiger erschwinglich geworden ist, wollen wir euch im Folgenden demonstrieren.

Erfreulicherweise basiert das Freistell-System nur auf drei Komponenten. Zunächst benötigt man eine Kamera mit Serienbildfunktion. Zwei Bilder pro Sekunde reichen auch für bewegte Motive völlig aus (schneller ist allerdings in diesem Fall besser). Als zweite Komponente benötigt man ein Blitzsystem, das einen Blitzauslöser mit sequenzieller Auslösung unterstützt. Sequenzielle Auslösung bedeutet in diesem Fall, dass der Funkauslöser in der Lage ist, nach jeder Auslösung den Kanal zu wechseln. Hierzu zählt zum Beispiel das Phorex Grandlight mit dem separat erhältlichen Funkauslöser und entsprechend der Anzahl der Blitze Empfänger. Als Letztes ein Bildbearbeitungsprogramm, welches Ebenen und Alpha Masken unterstützt. Optimal wäre natürlich Photoshop, aber als Gratislösung kommt auch GIMP infrage.

 

 

Setup und Workflow in vier Schritten

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  1. Die Blitze, die das Motiv beleuchten werden auf Kanal 1 und Gruppe A gesetzt. Die Blitzköpfe für die Hintergrundbeleuchtung auf Kanal 1 und Gruppe B. Dadurch werden bei der ersten Auslösung nur die vorderen und bei der Zweiten nur die hinteren Blitze ausgelöst. An dem Funkauslöser werden die DIP/Schalter 1 & 2 aktiviert.
  2. Zunächst fotografiert man das Motiv ganz normal mit der gewünschten Beleuchtung. Hierbei werden alle Blitze der Gruppe A ausgelöst. 
  3. Im zweiten Schritt macht man eine Gegenlichtaufnahme, wobei nur die Hintergrundlichter (Gruppe B) per Funk angesteuert werden. So erhält man eine fast perfekte Silhouette des Motivs.
  4. Nun öffnet man das Bild in Photoshop und nach einer kleinen Tonwertkorrektur kann man die Silhouette als Ebenenmaske auf das erste Foto anwenden. Bei Ganzkörperporträts muss man auf diese Weise höchstens noch die Füße manuell freistellen, der Rest geschieht innerhalb von max. 30 Sekunden. Am besten speichert man sich das Ganze noch als Aktion ab und kann direkt die komplette Fotosession in sehr kurzer Zeit freistellen.

 

Photoshop Bearbeitung im Detail:

Grandlight Maske

  1. Zuerst beide Bilder in Photoshop öffnen. Die Silhouette als neue Ebene in das Originalbild kopieren.
  2. Per Tonwertkorrektur oder Gradationskurven kann man nun die Silhouette nochmals verfeinern. Als grober Richtwert setzt man die Weißpipette auf 255 und die Schwarzkorrektur auf 25.
  3. Nun lädt man in der Kanälepalette die Silhouetten Ebene als Auswahl und kehrt diese um.
  4. Die untere Ebene auswählen und Strg+J drücken, sodass aus der Auswahl eine neue Ebene generiert wird. Alternativ lässt sich in neueren Photoshop Versionen auch aus der Auswahl eine Ebenenmaske erstellen. Der Vorteil hierbei ist, dass man diese sehr leicht später noch verbessern kann.
  5. Danach kann man einen beliebigen Hintergrund als neue Ebene einfügen und ist schon fertig!