Immer wieder geistern Gerüchte durch die Weiten der Fotoforen, was den zweckmäßigen Einsatz von einfachen kleinen Systemblitzen in Kombination mit Softboxen und anderen Lichtformern angeht. 

Lesen kann der interessierte Fotograf hier tatsächlich nicht wenig; gerade was die reine Leistungsfähigkeit der kleinen Blitze angeht, die ja nun einfach zu schwach ist. Und die Blitzröhre liegt ja nicht frei, wie bei Studioblitzen. Kann also alles nicht funktionieren.

Herausforderungen die es zu meistern gilt

Nein, Systemblitze sind nicht für den Einsatz an Softboxen konzipiert worden. Das steht fest. Die üblichen findigen Hersteller von Softboxen haben aber erkannt, dass gerade im mobilen Bereich – wo die Systemblitze ja eh klare Vorteile mit sich bringen – kleine Softboxen in PopUp– oder Schirmvarianten durchaus Sinn ergeben. Zu finden sind hier die wirklich kleinen ‚Lichtquellenvergrößerer‘ von um die 15 cm bis hin zu den 70 cm– oder gar 80 cm-Varianten.

Genau ab dieser Größe fangen aber die Zweifler an zu bemerken, dass Systemblitze nicht mehr sinnvoll einzusetzen sind. Nicht zu unrecht, aber durchaus etwas kurzsichtig.

Striplights Jinbei K 30x140, Blitze auf voller Leistung bei t 1/160, f11

Striplights Jinbei K 30×140, Blitze auf voller Leistung bei t 1/160, f11

Es wäre aber vermessen, Systemblitze mit Studioboliden gleichzusetzen. Und somit kann man eben auch nicht exakt das Gleiche mit Systemblitzen machen, wie mit den großen Pendants. Aber durchaus recht ähnliches. Wir müssen ganz einfach unsere Arbeitsweise der neuen Situation anpassen.

Herangehensweise

Um Systemblitze an die für Studioblitze konzipierten Softboxen zu adaptieren, benötigt man entsprechende Blitz-/Schirm-/Softboxhalter, wie aus der ET-Serie von Jinbei. Mit diesen ist es möglich jede Softbox mit Bowens-S Type-Bajonett systemblitztauglich zu machen.

Jinbei ET-1 Blitz-/ Schirm-/ Softboxhalter für Systemblitze

Jinbei ET-1 Blitz-/ Schirm-/ Softboxhalter für Systemblitze

Das gewohnte Herangehen muss also an die neuen Bedingungen angepasst werden. Ein Fotografieren mit ISO 100 ist nunmehr nicht immer möglich. Ab einer gewissen Blende reicht die Leistung des Blitzes ganz einfach nicht mehr aus. Bei einem gewissen Motivabstand und gewollter durchgehender Schärfe muss man hier kompromissbereit sein.

Im Umkehrschluss bedeutet dies allerdings – und das ist ein großer Vorteil der kleinen Helfer – dass wir ohne großen Aufwand auch sehr offenblendig arbeiten können, was unseren Gestaltungsspielraum auf eine leichte Art und Weise erhöht.

Jinbei Beauty Dish QZ-40

Jinbei Beauty Dish QZ-40

Bei den eigentlichen Lichtsetups gibt es wenig bis gar nichts zu beachten. Hier muss man nicht tricksen oder etwas anders machen, als beim Arbeiten mit Studioblitzen.

Jinbei EM 22x90 von rechts (ohne Grid) und links (mit Grid), Blitze auf 3/4 Leistung bei t 1/125, f11

Jinbei EM 22×90 von rechts (ohne Grid) und links (mit Grid), Blitze auf 3/4 Leistung bei t 1/125, f11

Einschränkungen in der Leistung (bei geschlossener Blende) kann man bis zu einem gewissen Grad dadurch kompensieren, dass man die Lichtformer näher ans Motiv rückt. Das verändert natürlich die Lichtcharakteristik und die Bildwirkung, muss aber nicht zwingend als Nachteil angesehen werden, auch wenn genau das nicht für jeden Fotografen in Frage kommt.

Praxis

An 7 verschieden Lichtsetups wollen wir im Folgenden die Möglichkeiten aufzeigen, was geht bzw. was eben nicht mehr realistisch umzusetzen ist.

Set 1

Jinbei Beauty Dish QZ-40 von rechts oben und Jinbei EM 22x90 von links, Blitze auf 1/2 Leistung bei t 1/125, f5.6

Jinbei Beauty Dish QZ-40 von rechts oben und Jinbei EM 22×90 von links, Blitze auf 1/2 Leistung bei t 1/125, f5.6

Set 2

OneLight Jinbei M-1200 von links, Blitze auf 3/4 Leistung bei t 1/160 und f13

OneLight Jinbei M-1200 von links, Blitze auf 3/4 Leistung bei t 1/160 und f13

Set 3

Jinbei EM 22x90 von links und rechts (mit Grids), Blitze auf voller Leistung bei t 1/160, f11

Jinbei EM 22×90 von links und rechts (mit Grids), Blitze auf voller Leistung bei t 1/160, f11

Set 4

Jinbei Striplights K-30x140 von links und rechts, Blitze auf voller Leistung bei t 1/160, f11

Jinbei Striplights K-30×140 von links und rechts, Blitze auf voller Leistung bei t 1/160, f11

Set 5

Jinbei EM 22x90 von rechts und links (mit Grids), Blitze auf voller Leistung bei t 1/125, f13

Jinbei EM 22×90 von rechts und links (mit Grids), Blitze auf voller Leistung bei t 1/125, f13

Set 6

Jinbei M-1200 von links und Jinbei EM 22x90 von rechts, Blitze auf voller Leistung bei t 1/125, f6.3

Jinbei M-1200 von links und Jinbei EM 22×90 von rechts, Blitze auf voller Leistung bei t 1/125, f6.3

Set 7

Jinbei 65°-Standard Reflektor von rechts oben und Jinbei EM 22x90 von links, Blitze auf 1/2 Leistung bei t 1/160, f5.6

Jinbei 65°-Standard Reflektor von rechts oben und Jinbei EM 22×90 von links, Blitze auf 1/2 Leistung bei t 1/160, f5.6

 

Alle Sets zeigen sehr deutlich, dass die verwendeten Lichtformer mit entsprechender Positionierung zum Model, die Lichtcharakteristik verändern. Gerade die Sets mit Standardreflektor und Beauty Dish schaffen eine punktuelle, aber nicht scharf abgrenzende Ausleuchtung, was CloseUps natürlich sehr entgegen kommt. Die kleinen Striplights (EM 22 x 90), welche mit Studioblitzen – aufgrund deren Lichtverteilung – auch zur Ganzkörperausleuchtung geeignet sind, eignen sich mit Systemblitzen allerdings höchstens für Halbkörperportraits. Das Licht der kleinen Blitze, kann sich hier einfach nicht wirklich entfalten. Durchaus angenehm war die Arbeit mir der großen M-1200. Mit dieser kann man auf der einen Seite stark flächig und weich ausleuchten, durch eine leichte Schrägstellung aber auch schön konturiert arbeiten.

Gearbeitet wurde zudem mit den YN-568 EX II in Kombination mit den YN-622 Funkauslöser von Yongnuo. Das hat vor allem den Vorteil, dass sich die Blitze bequem aus der Ferne steuern lassen. Was bei einem OneLight-Setup schon praktisch ist, macht das Arbeiten mit 3 oder 4 Lichtquellen natürlich noch komfortabler.

Jinbei Standard Reflektor 65°

Jinbei Standard Reflektor 65°

Dann kommt der Punkt Leistungsfähigkeit der Systemblitze ins Spiel. Hier kann man durchaus sagen, dass mehr Leistung den geringen Abstrahlwinkel (im Gegensatz zum Studioblitz) bis zu einem gewissen Grad kompensieren kann. Schwächere Systemblitze mit einer Leitzahl unter 40 sind deshalb tatsächlich an größeren Lichtformern nicht sinnvoll einzusetzen.

Jinbei M-1200 von links und Jinbei EM 22x90 von rechts, Blitze auf voller Leistung bei t 1/125, f6.3

Jinbei M-1200 von links und Jinbei EM 22×90 von rechts, Blitze auf voller Leistung bei t 1/125, f6.3

Erstaunliche Leistung

Das Shooting selbst lief unter normalen Studiobedingungen ab, was in diesem Fall vor allem heißt, dass mit einem normalen Abstand vom Model zu den Lichtformern von 1 bis max. 3,5 Metern gearbeitet wurde. Aufgrund der noch vorhandenen Leistungsreserven sind aber auch etwas größeren Abstände zu realisieren. Selbst in der Jinbei M-1200 sind am ET-3 nur 2 YN-568 zum Einsatz gekommen, da diese bei einem Abstand zum Model von ca. 3,5 m noch ausreichend Leistung erbringen konnten.

Jinbei M-1200 von links und Jinbei EM 22x90 von rechts, Blitze auf voller Leistung bei t 1/125, f6.3

Jinbei M-1200 von links und Jinbei EM 22×90 von rechts, Blitze auf voller Leistung bei t 1/125, f6.3

Im Einsatz mit großen Softboxen die auch noch mit zusätzlichem Innendiffusor betrieben werden, geht natürlich reichlich Licht verloren. Gerade aber die Jinbei QZ-40 oder auch der 65°-Reflektor schmeißen wirklich viel Licht nach vorne raus, dass man teils nur mit einem Viertel der Leistung hantieren muss.

Erstaunlich ist, dass man je nach Lichtformer ohne Probleme mit weit geschlossener Blende fotografieren kann, dann natürlich mit voller Power des Blitzes. Das betrifft dann eben eher die kleineren Lichtformer, mit denen maximal ein Halbkörperportrait zu Stande kommen kann. Hier sind wir bei Ganzkörperaufnahmen etwas gehandicapt und müssen die Blende weiter öffnen oder auch mal die ISO etwas aufdrehen. Alles aber noch im verträglichen Rahmen.

Natürliche Grenzen

Echte Probleme zeigen sich bei der Arbeit mit Systemblitzen kaum. Insgesamt – und auch hier sind die großen Lichtformer/Softboxen intensiver betroffen – zeigt sich gerade beim großflächigen Ausleuchten ein leichter Spotcharakter. Hier wäre die Jinbei K-30 x 140 zu nennen, die wir mit nur einem Blitz betrieben haben. Ganzkörper ist damit möglich, aber es zeigt sich ein Lichtabfall nach außen. Dieser ist nicht dramatisch, der Studioblitznutzer wird ihn aber nicht tolerieren wollen.

Dazu kommt im Gegensatz zu Studioblitzen die längere Wiederaufladezeit. Das kann ein Nachteil sein. Auf der anderen Seite gewöhnt man sich daran, kann sogar etwas ruhiger arbeiten, weil man weiß, dass in den nächsten 3-4 Sekunden eh nichts läuft. Auch das Model hat mehr Ruhe bis zur nächsten Pose.

Resultat

Wie eingangs angesprochen, geht es nicht darum, Studioblitzen Konkurrenz zu machen. Es geht auch nicht um Sinn oder Unsinn beim Einsatz von Systemblitzen in Studiosoftboxen. Es geht ausschließlich darum, dass es unter gewissen Voraussetzungen funktioniert. Und das gar nicht schlecht.

Jeder der also noch den ein oder anderen Aufsteckblitz in der Schublade rumliegen hat, kann damit durchaus an normalen Softboxen einiges an kreativer Lichtarbeit leisten, ohne gleich große Studioblitze bemühen zu müssen.

Wer sich auf das Handling der kleinen Kollegen einlässt, kann damit ohne Weiteres seinen Spaß haben!

Die Fotos in diesem Beitrag sind lediglich minimal korrigiert, also ‚fast‘ out of cam! Danke an dieser Stelle an das Model Kia-Kirsch!