Vorwort

Blitzfernauslöser, ein Thema über welches sich wohl jeder ambitionierte Fotograf früher oder später Gedanken machen wird. Sobald man sich mit Blitzen beschäftigt, wird den Meisten schnell klar werden, dass man von der Kamera entfesselt blitzen möchte. Hierbei gibt es unterschiedlichste Möglichkeiten, Produkte und technische Ansätze. Manche Kameras bieten integrierte Transmitter an, die großen Kamerahersteller haben eigene, markenspezifische Lösungen um kabellos zu blitzen und es gibt eine endlos scheinende Auswahl an Produkten von Drittherstellern.

Zuerst sollte man sich wohl die Frage stellen, mit welchem System man arbeiten möchte. Hat man diese Entscheidung getroffen, so wird die Produktflut auf ein deutlich übersichtlicheres Maß reduziert.

Die einfachste Lösung ist wohl ein Blitzkabel, sozusagen ein Verlängerungskabel für den Blitzschuh. Genau das Kabel ist aber für viele Fotografen ein Dorn im Auge, und das nicht zu Unrecht. Darüber hinaus ist die Reichweite auf wenige Meter beschränkt und es wird schwierig mehrere Blitze zu verwenden.

Die nächste Stufe ist das drahtlose Steuern mit optischen Signalen, ein System wie es zum Beispiel von Nikon (und früher Canon) verwendet wird. Die Möglichkeiten im Vergleich zum Blitzkabel steigen deutlich, jedoch leidet die Zuverlässigkeit dieser Variante bei verschiedensten Bedingungen, unter anderem bei hellem Sonnenlicht oder wenn kein Sichtkontakt zwischen Sender und Empfänger besteht.

Die derzeit beste erhältliche Variante sind Funkauslöser. Hierbei besteht kein Bedarf nach Sichtkontakt, die Reichweite ist im für den Fotografen relevanten Bereich nahezu uneingeschränkt und es ist, je nach Modell, der volle Funktionsumfang des Blitzes auch entfesselt von der Kamera aus nutzbar.

Erstrebenswert ist natürlich die Möglichkeit, die entfesselt aufgestellten Blitze von der Kamera aus steuern zu können, um nicht für jede Einstellung zum Blitzgerät laufen zu müssen. Ebenso ist es toll, wenn das E-TTL Protokoll unterstützt wird. Genau hier kommt der Yongnuo YN-622C ins Spiel. Dieser Fernauslöser bietet über Funk alle Funktionen, welcher der Blitz auch auf der Kamera bieten würde. Man kann sämtliche Einstellungen direkt im Kameramenü vornehmen und auch Belichtungsautomatiken verwenden.

Yongnuo YN-622C ausgepackt

Die Funkauslöser kommen gut verpackt in schlichtem Karton ohne zusätzliches Zubehör. Der erste Eindruck ist durchweg positiv. Die YN-622C sind relativ groß für Blitzauslöser, aber sehr wertig verarbeitet. Die Oberseite ist in Klavierlackoptik gehalten, alle anderen Seiten bestehen aus mattem Kunststoff. Blitzfuß und Blitzschuh sind aus Metall und wirken stabil und langlebig.
Die Knöpfe sind logisch angeordnet, auch im Einsatz gut erreichbar und angenehm zu drücken. Die Status-LEDs leuchten selbst in direktem Sonnenlicht hell genug, um gut ablesbar zu sein.

Yongnuo YN-622
Auf der Unterseite befindet sich das Batteriefach, welches sauber zu öffnen und schließen ist. Sehr löblich zu erwähnen ist die Verwendung von AA-Batterien anstelle teurer Exoten. Wiederaufladbare Akkus haben sich hier bewährt.

Als Zusatz steht eine Synchronbuchse zur Verfügung, um auch mit Studioblitzen verwendet werden zu können.

An der Vorderseite befindet sich ein Autofokus-Hilfslicht, welches eine außerordentlich gute Leistung abliefert. Es ist bedeutend heller als die Hilfslichter aller Canon-Produkte. Ausgesendet wird ein Muster, bestehend aus mehreren hellen Streifen, welche großflächig genug ausleuchten um auch außermittige AF-Felder verwenden zu können.

Es besteht die Möglichkeit, das Blitzsignal durch den YN-622C durchzuschleifen, wodurch ein Blitz auf der Kamera genutzt werden kann, auch wenn die Funkauslöser im Einsatz sind. Durch die zusätzliche Belastung eines Blitzes auf dem Auslöser, müssen die YN-622C stabil auf der Kamera fixiert werden.  Dies geschieht mit einer Kunststoff-Rändelschraube welche ein wenig mühselig zu bedienen ist, die Geräte jedoch stabil mit der Kamera verbindet. 

Transceiver im Praxiseinsatz

Bei den Yongnuo YN-622C handelt es sich um so genannte Transceiver, eine Kombination der Wörter Transmitter und Receiver. Dies bedeutet, dass es keine dedizierten Sender oder Empfänger gibt, sondern dass jeder YN-622C beide Funktionen übernehmen kann.

Zuerst wurde die Sendeleistung überprüft, welche mit ca. 40 Meter im freien Feld überzeugen kann. Auch Auslösen durch Wände geschieht zuverlässig und ohne Aussetzer.

Auch wenn mehrere Fotografen die YN-622C einsetzen, werden sie sich nicht in die Quere kommen. Für solche Situationen stehen insgesamt sieben wählbare Kanäle zur Verfügung.

Die Blitze können in drei Gruppen (A, B, C) eingeteilt und direkt über das Kameramenü manuell oder im Verhältnis zueinander automatisch gesteuert werden.

Bild 2Screenshot einer 7D bei aufgesetztem YN-622C und manueller Einstellung

Interessant ist, dass die Transceiver sowohl HSS als auch E-TTL unterstützen. Besonders spannend dürfte die Möglichkeit sein, selbst mit Studioblitzen kürzeste Belichtungszeiten zu erreichen. Anbei ein unbearbeitetes aus einer 7D mit 1/8000s an Elinchrom-Studioblitzen:Bild 3

Wie man sieht, wurde die kurze Belichtungszeit vollkommen fehlerfrei ausgeleuchtet. Die manuelle Leistungseinstellung ist möglich im Bereich von 1/1 bis zu 1/128, sogar der Zoomreflektor lässt sich zwischen 24mm und 105mm [@KB] von der Kamera aus regeln.

Fazit

Die Transceiver wissen absolut zu überzeugen. Nach mehreren tausend Auslösungen gab es noch keinerlei Probleme oder Ausfälle, und es befindet sich erst der zweite Satz Batterien in den Auslösern.

Entgegen der Vermutung erwies sich die Hochglanz-Oberfläche als äußerst robust, trotz wenig zimperlichen Umgang sind nur wenige Gebrauchsspuren zu erkennen.

Bild 4

Auch im Test mit insgesamt sieben YN-622C gab es keine Probleme. Es waren zwei Kameras und fünf Blitze im Einsatz, was reibungslos funktionierte.

Es ist erstaunlich, was Yongnuo zu diesem Preis abliefert. Es gibt keine offenen Wünsche oder negative Punkte, wodurch die Youngnuo YN-622C wohl momentan zu den besten Blitzfunkauslösern am Markt gehören und absolut empfehlenswert sind.

Aktuell sind die Transceiver leider nur zu Canon kompatibel (deshalb YN-622C), jedoch wurde von Yongnuo bereits eine Nikon-kompatible Version (YN-622N) mit I-TTL-Kompatibilität angekündigt. 

Beitrag von Sebastian Dreher.