Für viele Fotografen, die am Anfang Ihrer Karriere stehen, ist die Vorstellung den Blitz aus dem TTL- (Through The Lens) in den manuellen Modus zu wechseln mit einigem Horror verbunden. Das liegt vor allem daran, dass die Meisten noch nicht einmal die automatischen Modi wirklich sicher beherrschen bzw. verstehen. Tatsächlich ist es so, dass die eTTL(Canon) und iTTL(Nikon) Modi in der Regel ziemlich verlässliche Resultate erzeugen.

Dennoch gibt es zwei Faktoren, die man im TTL-Modus schwer umgehen kann.
Zum einen, ist dem Blitz nicht klar, was der Fotograf überhaupt für eine Bildwirkung erreichen möchte. Das System zur Belichtungsmessung kann eigentlich nur für ein einigermaßen korrekt belichtetes Bild sorgen. Die steht jedoch sehr oft in Kontrast mit der eigentlichen Vorstellung über die Art und Weise wie eine Szene ausgeleuchtet sein sollte. Zweitens kann die Belichtungsmessung sehr schnell das Motiv über- oder unterbelichten abhängig davon, worauf man die Belichtungsmessung eingestellt hat. Dies trifft vor allem auf die Punktmessmethoden zu, die zur Belichtungsmessung nur eine einzige Stelle des Motivs in Betracht ziehen.

 

Wie funktioniert das TTL-System überhaupt?

Um einen Aufsteckblitz dazu zu bringen das zu tun, was wir wollen, müssen wir natürlich zunächst verstehen, was unser Blitz überhaupt macht. So können wir die automatischen Modi zu unserem Vorteil nutzen, behalten aber die völlige Kontrolle über das Resultat.

 

Der Messblitz

Normalerweise kriegt man hiervon rein gar nichts mit, doch im TTL-Modus blitzt unser Speedlite mindestens zweimal. Der erste Blitz dient der Belichtungsmessung in der Kamera und nutzt nur max. 1/32 der absoluten Leistung. Nun weiß die Kamera Bescheid, mit welcher Leistung sie blitzen muss und sendet einen zweiten Blitz mit der nun korrekten Power aus.

 

Das Problem mit dem TTL

Die zwei größten Probleme mit der TTL-Messung liegen darin, dass zum einen die Kamera nur das reflektierte Licht misst und zum anderen keine Kompensation für schon vorhandenes Licht stattfindet. Die stellt vor allem ein Problem dar, wenn man zum Beispiel nur die Silhouette des Modells fotografieren möchte. Der Blitz ist hinter dem Modell positioniert und die Kamera sieht so gut wie kein reflektiertes Licht. Nun versucht die Elektronik dies auszugleichen und es kommt zwangsläufig zu einer Überbelichtung, da der Blitz das Signal erhält mit voller Leistung zu blitzen.
Das zweite Problem besteht darin, dass kein Ausgleich für das Umgebungslicht der Szene stattfindet. Solange man nicht in einem komplett abgedunkelten Raum ist oder den manuellen bzw. halb automatischen Modi verwendet, wird die Kamera versuchen nur das Motiv zu erleuchten und die Umgebung völlig ignorieren. Dies führt dazu, dass der Raum nahezu dunkel aussieht und das Motiv gut beleuchtet ist.

 

Den TTL-Modus kontrollieren

Die gute Nachricht ist, dass wir doch so einiges an Kontrolle über unser Speedlite im TTL-Modus haben. Wir können erstens die Leistung korrigieren und zweitens das Umgebungslicht ausgleichen. Das Umgebungslicht wird in diesem Fall über die Verschlusszeit korrigiert. Je länger die Verschlusszeit ist, desto mehr Umgebungslicht ist nachher auf dem Foto zu sehen. Die Blende hat im TTL-Modus keinen direkten Einfluss auf die Belichtung, da die Kamera stets versucht ein korrekt belichtetes Bild zu erzeugen und somit nur dem Blitzgerät mitteilt mit mehr Leistung zu blitzen, sobald man die Blende ändert.

 

Abgedunkelter Raum

Falls der Raum relativ dunkel ist, wählt man eine Verschlusszeit zwischen einer ½ und 1 Sekunde. Man muss sich keinerlei Sorgen darum machen, dass das Motiv verwackelt ist, solange man ein Stativ verwendet. Das Blitzlicht sorgt dafür, dass auch bei Porträts oder Fashion Aufnahmen alles absolut scharf abgebildet wird.

 

Helles Tageslicht

 

Wie man normalerweise im TTL-Modus feststellt, erscheint der Hintergrund bei Tageslichtsituationen überbelichtet und das Motiv sieht ausgewaschen aus.

Wie man normalerweise im TTL-Modus feststellt, erscheint der Hintergrund bei Tageslichtsituationen überbelichtet und das Motiv sieht ausgewaschen aus.

Durch die manuelle Korrektur der Verschlusszeit, erreicht man deutlich mehr Definition im Hintergrund und das Motiv ist kontrastreicher abgebildet.

Durch die manuelle Korrektur der Verschlusszeit, erreicht man deutlich mehr Definition im Hintergrund und das Motiv ist kontrastreicher abgebildet.

 

Bei Tageslichtsituation und starkem Sonnenschein trifft man den entgegengesetzten Fall an. Entweder ist das Motiv zu dunkel und der Himmel korrekt belichtet, oder das Motiv richtig und der Himmel nahezu komplett weiß. Hierbei bietet es sich an, zunächst die Belichtungsmessung am Himmel vorzunehmen und die Verschlusszeit dementsprechend auszuwählen. Dann richtet man die Kamera auf das Motiv und überlässt den Rest der TTL-Messung.

 

Falls die TTL-Messung mal daneben liegt

Normalerweise liefert der TTL Modus ziemlich solide Ergebnisse, ohne dass man etwas ändern müsste. Doch manchmal muss man selber eingreifen und die Blitzleistung korrigieren. Die Gründe sind hierfür sehr vielfältig. Zum einen spielt die Distanz zwischen Motiv und Lichtquelle eine große Rolle und zum anderen reflektieren unterschiedliche Motive das Licht auch unterschiedlich.

 

Flash Exposure Compensation (FEV)

 

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Zum Glück gibt es eine sehr einfache Lösung, genannt Flash Exposure Compensation. Diese Kamera- bzw. Blitzfunktion erlaubt uns die Leistung des Blitzgeräts um bis zu max. drei Blendenstufen nach oben oder unten zu korrigieren. Das TTL-System nimmt immer noch die Messung ganz normal vor, aber bezieht unsere Korrektur mit ein. So kann man sehr gut das Verhältnis zwischen Umgebungs- und Blitzlicht ausgleichen.

 

Fazit

Hier noch kurz vier Bilder zum Vergleich der Einstellungen:

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Wie man sieht, stecken auch bei einem vollautomatischen System viele Stolperfallen mit drin. Doch mit ein bisschen manueller Korrektur erhält man sehr schnell die gewünschten Ergebnisse, ohne den Zeitaufwand der mit einer manuellen Blitzmessung verbunden ist.

 

Ihr Marc Röwekamp

 

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