Nach unserer Ankündigung vor knapp einem Monat hatten wir nun genügend Zeit den YN-622 für Nikon ausgiebig zu testen. Im folgenden Bericht möchten wir euch kurz die wichtigsten Funktionen und Features im Detail vorstellen und klären wie sich der Funkauslöser im Vergleich zur Canon Variante schlägt.

Verarbeitung und Optik

Der Transceiver macht einen soliden Eindruck. Sowohl Blitzschuh als auch Blitzfuß sind aus Metall gefertigt. Die Knöpfe sind leicht zu erreichen und haben einen guten Druckpunkt. Man kann den Auslöser fast blind bedienen. Ein Nachteil ist die glänzende Oberfläche, die schnell Fingerabrücke und Schmutz anzieht – dafür sehen die Teile umso schicker aus.

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Blitzfuß aus Metall

Den Vergleich mit dem Pixel King muss Yongnuo ganz sicher nicht mehr scheuen. Sowohl von den Funktionen als auch von der Verarbeitung her, lässt der YN-622 nichts zu wünschen übrig.

Besonders toll ist, dass es sich ähnlich wie beim RF-603 Blitzauslöser um Transceiver handelt, also Sender und Empfänger absolut identisch sind. Man muss sich also keine Gedanken machen, welches Gerät nun auf die Kamera kommt und welches an den Blitz gehört. Einfach den Kanal und die Gruppe auswählen und fertig!

High Speed Sync

Wie Kenner der Canon Variante vom 622 schon gewohnt sind bietet der YN-622N die High Speed Synchronisation auch für Nikon und Yongnuo Speedlites wie das Blitzgerät Yongnuo YN-568, sowie Super Sync für Studioblitze mit längerer Abbrennzeit wie den DC600/ 1200 oder dem FL-II von Jinbei. Somit sind Verschlusszeiten jenseits von 1/250s überhaupt kein Problem für den TTL-Blitzauslöser.

Bei Extrem kurzen Belichtungszeiten oberhalb von 1/2000s ist der Lichtverlust allerdings sehr bemerkbar, da der Verschluss nicht über die gesamte Blitzdauer geöffnet ist. Dies ist bei vergleichbaren Produkten wie dem Pixel King allerdings auch nicht anders.

Leistungsregelung

Der YN-622N bietet drei verschiedene Einstellmodi für die Leistungssteuerung: Mix, Master und Remote Control Mode . Im Mix Modus regelt man die Leistung selbst an den Blitzgeräten, sodass man TTL und manuelle Geräte miteinander kombinieren kann.

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Vor allem in Kombination mit dem YN-568 zeigt der YN-622 sein wahres Potential

Der Master Control Modus , benötigt wie der Name schon andeutet ein Master-fähiges Blitzgerät wie das SB-900 oder ein Wireless Speedlight Commander SU-800. So kann man die Leistung direkt am Mastergerät einstellen und das Signal wird statt per Infrarot per Funk über den 622N an die Slave Blitzgeräte weitergeleitet. Das funktionierte im Test sehr problemlos und zuverlässig. Der Vorteil gegenüber der optischen Übertragung ist neben der erhöhten Reichweite, die Tatsache, dass kein Sichtkontakt zwischen Sender und Empfänger bestehen muss.

Da sich das TTL-System von Nikon grundlegend von Canon unterscheidet, ist bei dem Funkauslöser keine Leistungssteuerung über das Kameramenü möglich. Dafür gibt es nun den sogenannten Remote Control Modus . Dieser liest sich zunächst in der Bedienungsanleitung (Seite 10-11) als äußerst komplex. Stellt sich in der Praxis jedoch als sehr anwenderfreundlich und nützlich raus.

Schritt für Schritt:

1. Zunächst wählt man die gewünschten Gruppen und achtet darauf, dass die Auslöser auf denselben Kanal eingestellt sind.
2. Am Sender (also der Transceiver der auf der Kamera sitzt) wählt man nun, ob die Blitze im iTTL oder manuellen Modus genutzt werden sollen. Hierzu hält man den GP/Mode Knopf gedrückt.


Grüne
LED = TTL Modus

Orange LED = Manueller Modus (Für die Leistung hat Yongnuo eine eigene Skala, die nicht zwangsläufig mit den 1/1, ½, ¼ Schritten am Blitzgerät übereinstimmt. Dies ist in der Anleitung etwas genauer erklärt)

3. Nun drückt man den Auslöser halb durch, um das Signal an die Blitze zu übertragen; und ganz durch um ein Testfoto zu machen.
4. Falls das Foto über- oder unterbelichtet aussieht, kann man nun die Gruppen individuell ansteuern. Zunächst hält man den Auslöser wieder halb gedrückt, um in den Auslösemodus zu wechseln. Dann drückt man die + oder – Tasten, um zwischen den einzelnen Gruppen durchzuwechseln: C1, C2, C3, A, B, C…

 

Um die Leistung um eine Blendenstufe zu erhöhen, hält man die (+) Taste gedrückt, bis die korrekte LED beleuchtet ist und lässt die Taste dann wieder los. C1 für Gruppe A, C2 für Gruppe B, C3 für Gruppe C

Um die Leistung zu verringern, macht man dasselbe mit der (-) Taste.

Für die Leistungsregelung in 1/3 Blendenstufen macht man genau dasselbe mit den + und – Tasten nur stoppt man jeweils bei den LEDs bei A, B oder C auf der rechten Seite.

Nach ein paar Versuchen geht das Ganze sehr gut von der Hand. Man muss nicht durch zig Menüs navigieren und erhält schnell das gewünschte Ergebnis. Der Remote Control Modus funktioniert allerdings nur mit TTL Blitzen im TTL-Modus.

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Die Leistungsregulierung gelingt über die + und – Tasten auf der linken Seite des YN-622. Einfach den Auslöser der Kamera halb runter drücken und + oder – gedrückt halten, bis die entsprechende LED am YN-622 aufleuchtet. Dann sofort loslassen.

Da es kein Display gibt, erfährt man natürlich nicht die absoluten Leistungswerte des Blitzgeräts, aber man kann sehr einfach relativ gesehen die Leistung regulieren. Wenn also im Testbild Blitz A zu hell im Vergleich zu Blitz C ist, so verringert man einfach Blitz A um 1/3 bzw. 1 Blendenstufe, bis der gewünschte Effekt erreicht ist. Der Nachteil hierbei ist, dass sich Blitzsetups schwer an unterschiedlichen Locations reproduzieren lassen. Insgesamt überwiegen die Vorteile allerdings deutlich, da man so keinen zusätzlichen Master Blitz benötigt.

Fazit

Es lässt sich nun definitiv sagen, dass Yongnuo dem Pixel King den ersten Platz unter den erschwinglichen TTL Auslösern endgültig abgelaufen hat. Jetzt fehlt eigentlich nur noch eine Variante für Sony Nutzer. Im Test hat sich der YN-622N als ebenso zuverlässig wie die Canon Variante herausgestellt. Die zunächst als Nachteil betrachtete, nicht vorhandene Leistungssteuerung durch das Kameramenü, vermisst man letztlich überhaupt nicht wirklich, da man die Blitze sowohl über den Auslöser selbst als auch mit einem Master-fähigen Blitzgerät regeln kann. Über die nicht vorhandene USB Schnittstelle für Firmware Updates kann man sich streiten.

Übrigens wurde nun von Yongnuo bestätigt, dass sowohl die D4 als auch D3 doch kompatibel sein sollen.

Falls ihr noch Anregungen habt, welche Funktionen oder Features wir speziell für euch testen sollen, sagt bitte per Facebook oder in den Kommentaren Bescheid.

Ihr Marc Röwekamp